Welche Blutwerte sind bei einem vegan ernährten Hund sinnvoll?

Eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird, lautet:

„Welches Blutbild sollte ich bei meinem vegan ernährten Hund machen lassen?“

Die Antwort überrascht viele der Hunde-Eltern zunächst: Es gibt nicht das eine Blutbild, das für jeden vegan ernährten Hund empfohlen werden kann.

Und genau das ist auch gut so.

Jeder Hund ist ein Individuum. Alter, Gesundheitszustand, Vorerkrankungen, die Zusammensetzung der Ration, eingesetzte Nahrungsergänzungen und mögliche Symptome spielen eine wichtige Rolle dabei, welche Blutwerte überhaupt sinnvoll sind. Ein junger, gesunder Hund benötigt häufig andere Kontrollen als ein Senior oder ein Hund mit chronischen Erkrankungen. Deshalb gibt es keine allgemeingültige Liste, die für alle Hunde gleichermaßen passt.

Die Basis jeder Blutuntersuchung

In vielen Fällen bilden ein großes Blutbild und eine Blutchemie die Grundlage einer sinnvollen Gesundheitskontrolle.

Das große Blutbild liefert unter anderem Informationen über die roten und weißen Blutkörperchen sowie die Blutplättchen. Dadurch können beispielsweise Hinweise auf Entzündungen, Infektionen oder eine Blutarmut erkannt werden.

Die Blutchemie ergänzt diese Untersuchung um wichtige Organwerte. Sie gibt unter anderem Aufschluss über die Funktion von Leber und Nieren, den Eiweißstoffwechsel sowie verschiedene Elektrolyte.

Beide Untersuchungen liefern also wertvolle Informationen über den allgemeinen Gesundheitszustand des Hundes.

Was sie jedoch nicht automatisch zeigen, ist, ob alle Vitamine, Aminosäuren oder andere Nährstoffe optimal versorgt sind.

Wann sind zusätzliche Blutwerte sinnvoll?

Ob weitere Laboruntersuchungen sinnvoll sind, hängt immer von der individuellen Situation des Hundes ab.

Je nach Fragestellung können beispielsweise folgende Werte interessant sein:

  • Vitamin B12 (Cobalamin): wichtig für die Blutbildung, das Nervensystem und den Energiestoffwechsel.
  • Taurin: kann insbesondere bei bestimmten Rassen, Herzerkrankungen oder individuellen Fragestellungen von Bedeutung sein.
  • L-Carnitin: wird nicht routinemäßig bestimmt, kann aber in speziellen Situationen sinnvoll sein.
  • Aminosäurenprofil: kann helfen, die Versorgung mit einzelnen Aminosäuren zu beurteilen, wenn hierzu eine konkrete Fragestellung besteht.

Diese Untersuchungen gehören jedoch nicht zur Standarddiagnostik und werden nicht bei jedem Hund automatisch durchgeführt.

Warum gibt es keine allgemeine Empfehlung?

Viele Hunde-Eltern fragen sich, warum man diese Werte nicht einfach routinemäßig bei jedem vegan ernährten Hund bestimmen lässt.

Der Grund ist einfach: Labordiagnostik sollte immer eine konkrete Fragestellung beantworten.

Zeigt ein Hund keine Auffälligkeiten, ist gesund und wird mit einer sorgfältig geplanten, bedarfsgerechten Ration versorgt, besteht häufig kein Anlass, sämtliche Spezialwerte untersuchen zu lassen.

Bestehen dagegen Symptome, chronische Erkrankungen oder Unsicherheiten bezüglich der Rationsgestaltung, können gezielte Untersuchungen sehr hilfreich sein.

Nicht die Anzahl der Blutwerte entscheidet also über eine gute Vorsorge, sondern die Auswahl der richtigen Untersuchungen.

Ein guter Ansatz in der Ernährungsberatung

Niemals nur Laborwerte betrachten.

Man sollte immer den gesamten Hund ansehen: seine Vorgeschichte, seinen Gesundheitszustand, seine Ernährung, mögliche Beschwerden und die individuell zusammengestellte Ration.

Erst daraus ergibt sich, welche Untersuchungen sinnvoll sind und welche möglicherweise gar keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn bringen würden.

Das Ziel ist nicht, möglichst viele Laborwerte bestimmen zu lassen, sondern die Gesundheit des Hundes mit einer gut geplanten Ernährung und gezielten Kontrollen bestmöglich zu begleiten.

Zusammenfassend geschrieben 🙂

Vegane Hundeernährung bedeutet nicht, regelmäßig möglichst viele Blutwerte bestimmen zu lassen.

Sie bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, die Ernährung individuell zu planen und den Hund aufmerksam zu begleiten.

Ein großes Blutbild und eine Blutchemie bilden häufig eine sinnvolle Grundlage. Ob darüber hinaus weitere Untersuchungen notwendig sind, sollte immer individuell entschieden werden.

Denn eine gute Vorsorge besteht nicht darin, möglichst viel zu messen – sondern das Richtige zur richtigen Zeit.

Untersuchung Was zeigt sie? Wann sinnvoll?
Großes Blutbild Blutzellen, Entzündungen, Blutarmut Als allgemeiner Gesundheitscheck
Blutchemie Leber, Nieren, Eiweiß, Elektrolyte Als allgemeiner Gesundheitscheck
Vitamin B12 Versorgung mit Cobalamin Je nach Ration oder Fragestellung
Taurin Herz- und Stoffwechselfunktion Bei Risikorassen oder speziellen Fragestellungen
L-Carnitin Energiestoffwechsel In besonderen Fällen
Aminosäurenprofil Versorgung mit einzelnen Aminosäuren Bei individueller Überprüfung der Ration

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